Achterbahnfahrt aus Chancenwucher und Taktik-Chaos

Auch wenn heute auf Kunstrasen gespielt wurde, der sich ab Minute 20 in eine gusseiserne Bratpfanne mit Granulatfüllung verwandelte. Schauplatz: der 23. Spieltag, wo sich die TSG Ailingen II und die SGM Fischbach/Schnetzenhausen in einem torlosen Spektakel trennten, das eigentlich alles hatte – außer, na ja, Tore.
Bereits vor Anpfiff knisterte die Luft, was allerdings weniger an der Spannung, sondern eher an den sommerlichen Temperaturen auf dem Kunstrasen lag, der mehr geglüht hat als das Handy eines Amateurtrainers am Freitagabend. Ailingen kam mit breiter Brust nach zuletzt drei Spielen ohne Niederlage, während die SGM nach dem Sieg gegen Lindau den positiven Aufwärtstrend am Leben halten wollte.
Die Anfangsphase glich einem Bewerbungsvideo für das berühmte „vorsichtige Abtasten“. Man hatte den Eindruck, beide Teams warteten auf den ersten Fehler und lieferten dann kollektiv ab. In der 36. Minute die erste Großchance. Hahn wird in die Tiefe geschickt, macht’s stark, legt quer auf Reinhart, der steht so blank, dass man ihm einen Schatten hätte malen müssen. Doch der Abschluss? Wild. Über das Tor, über den Zaun, über die Landesgrenze. Seitdem auf mysteriöse Weise in Vorarlberg vermisst.
Ailingen wollte sich das natürlich nicht gefallen lassen. In Minute 45+3 zieht der Ailinger Angreifer nach einem Pass aus 20 Metern direkt ab und schweißt das Ding an die Latte. Das Netz zitterte kurz mit – aber der Ball blieb draußen. Halbzeit. 0:0. Alles offen. Oder besser gesagt: alles zu.
Nach dem Seitenwechsel dann kurz so etwas wie Ordnung. Ailingen schaltete einen Gang hoch und in Minute 49 lief erneut der Stürmer, nach einem Pass durch die Kette, allein auf den Keeper zu – man hörte förmlich das Netz rascheln. Dann schoss er. Der Ball stieg. Und stieg. Und stieg. Vermutlich hat ihn inzwischen ein Gleitschirmflieger überm Gehrenberg gesichtet. Danach übernahm die SGM wieder das Kommando. Mit der Paradedisziplin der Kreisliga, dem kompromisslosen Distanzschuss. Das Problem: Die Bälle verfehlten entweder knapp das Tor, landeten im Fangzaun oder wurden vom Ailinger Keeper pariert. Dann die 89. Minute, nochmal ganz großes Kreisliga-Kino, Kategorie: Drama ohne Happy End. Eine Ecke wird halbherzig geklärt, der Ball kommt zu Pfister. Der denkt kurz über eine Flanke nach, läuft dann trotzig einfach weiter Richtung Grundlinie und spielt flach in die Mitte. Dort steht Eros Conte mutterseelenallein, warum er da so blank stand weiß keiner so genau, inklusive ihm. Es war die Art von Freiheit, für die andere einen Bus mieten würden. Der Schuss? Direkt auf den Keeper. Das kollektive „NEIIIIIN!“ hallte vermutlich noch bis zum Edeka in Fischbach.
Ein Spiel, das in der Statistik wie ein tristes 0:0 aussieht, aber eigentlich eine Achterbahnfahrt aus Chancenwucher und Taktik-Chaos war. Ailingen bleibt unbesiegt, die SGM holt sich einen Punkt, aber auch eine Portion Frust ab. Und der Kunstrasen? Der atmet durch – kein Netz hat gezappelt, kein Torjubel wurde gegrölt. Nur Schweiß, Sonnenbrand und verschossene Großchancen.








